Tête à Tee

November 5, 2016 / 3 — 5min read / 4 Comments

Zum Tag des Tees habe ich es meinen Idolen Fitzgerald und Hemingway gleichgetan und einmal ein bisschen zu tief ins Glas geschaut.

Kultiviert, gelassen und geduldig – kaum ein anderes Getränk gilt in Kennerkreisen als so erlesen wie Tee. Vor allem in hastenden Zeiten wie heute, wo der Coffee To Go selbst den kleinen Genussmoment im Kaffeehaus verbietet, wo Vanilla und Chai Latte allmählich Melange und Verlängerten verdrängen, und wo jedes gepflegte, kulinarische Beisammensein einer flüchtig geschriebenen Nachricht weicht, gewinnt der Tee in seiner unendlichen Geduld an Bedeutung. Aufkochen, aufbrühen, auskosten, ziehen lassen – in seinen schönsten Zügen gleicht das ausgedehnte Teezeremoniell einer Liebesbeziehung.

 

„Der Gewöhnlichkeit gehört die Welt. Es tangiert mich aber nicht, solange ich ein Bett und ein Glas Tee habe.“

Theodor Fontane

Und auch ich bin einer Tasse Aromakraft selten abgeneigt. Vor allem kredenzt mit einem guten Buch kann ich mich der Teekanne schwer entziehen. Entleert sich dann vor der Haustüre auch noch der Himmel seines Schwermuts, dann entwickelt der Aufguss im eigenen Haus einen ganz außergewöhnlichen Anreiz.

In der Literatur hat der Tee ebenfalls hohen Stellenwert. Unter anderem zählten Oscar Wilde, Theodor Fontane und Gotthold Ephraim Lessing zu bekennenden Teetrinkern. Heinrich Heine ging scheinbar sogar eine poetische Beziehung mit der Geschmacksinfiltration ein:

schriftsteller-und-tee

 

Kein Wunder, bedenkt man die natürliche, belebende Wirkung des Tees, die auf die chemische Substanz Tein zurückzuführen ist. Bei Tein handelt es sich um dieselbe Substanz wie bei Koffein, allerdings wird das Koffein des Tees an Gerbstoffe gebunden, wodurch die Wachmacherwirkung viel sanfter, viel zögerlicher einsetzt als beim klassischen Espresso für Herzsprintmechanismen. Gleichzeitig sorgt der Gegenspieler des Teins, das Theanin, für entspannende Effekte. Ein ungleiches Paar, das nicht nur den Geist des Schriftstellers erregt.

Weil wenige Beziehungskonstellationen so schön zusammen harmonieren wie Bücher und Tee, habe ich mir den Tag des Tees zum Anlass genommen, um ausnahmsweise auch mal ein Koch- bzw. Trinkbuch zu zerpflücken wie die Teeblüten vorm Brühen. „Tee. Wie man aus Wasser Freude macht“, enthält auf 144 Seitengenau die richtigen Zutaten für die perfekte Tasse Tee. Für ihr Brauwerk haben die fünf Freunde Patrick, Ingo, Eike, André und Moritz zahlreiche Rezepte, Ratschläge und Geheimnisse gemischt und so einen unverwechselbaren Teemix kreiert. Lesenswertes zu Teegeschichte, Teesorten wie Schwarzem, Weißen, Grünen, Oolong sowie Pu Erh Tee, Geheimnisse, Mythen, Fakten und Zubehör vom Teesieb bis zum –Ei finden sich sowohl im Buch als auch auf deren Teeplattform mit dem passenden Namen „5 Cups“ wieder.

 

teerezepte

 

Beim Nachschlagen und –brühen habe ich mich an Teekreationen wie der Marokkanischen Minze, dem weihnachtlichen Glühroller oder auch dem Weißen Eistee berauscht. Für feinste Farbnuancen im Kopf sorgte bei mir ein Teecocktail unter dem blumigen Pseudonym „Charles Rosen“. Das Rezept hätte sicher auch Ernest Hemingway oder Francis Scott Key Fitzgerald gefallen, die wie viele Schriftsteller von Weltruhm nicht nur der Poesie, sondern auch dem Alkohol verfallen waren.

 

gin-und-tee

 

Die Rezeptur für den Rosenblütencocktail mit Gin will ich euch trotzdem nicht vorenthalten. Immerhin hat mich die Zubereitung des Rosenblütencocktails dem Traum vom Schriftstellerdasein ein Stück weit näher geschwappt. Nachdem ich nicht umhin gekommen bin die Rosenkreation selbst zu verkosten, kann mit dem Ende dieses Blog Beitrags auch ich behaupten, schon einmal mit Schwipps geschrieben zu haben –rein zu Rezensionszwecken, versteht sich. Wohl bekomm´s!

Charles Rosen

poesie-cocktail


Zutaten für ein Glas:

  • 5g Rosenblütentee
  • 5 cl Gin
  • 3 cl Holunderblütensirup
  • 1 cl Limettensaft
  • 1 Bio Orange
  • 6 Eiswürfel
  • Frische, unbehandelte Rosenblätter

 

Außerdem:

  • Teekanne
  • Teesieb oder –filter
  • Messbecher
  • Cocktailglas
  • Barlöffel

 

Zubereitung:

Rosenblüte mit 250 ml kaltem Wasser in eien Teekanne geben, abdecken und maximal zwei Stunden ziehen lassen. Rosenblütentee durch ein Teesieb oder einen – filter filtern. Alle Zutaten außer dem Tee in ein Cocktailglas füllen und kurz umrühren. Eiswürfel und frische Rosenblätter beimengen und mit ca. 10 cl Rosenblütentee auffüllen. Die Orange waschen, abtrocknen, mit einem Schäler eine Zeste ablösen und in den Drink geben.

 

 

4 Comments

  1. Sophie

    on November 10, 2016 at 5:29 am

    Servus:))

    Spannend zu lesen.
    BBeim Rezept ist dddir vermutlich aufgrund der berauschenden Wirkung deines Cocktails entgangen dass du statt 10 cl Gin nochmals 10 cl Rosenblütentee zu deinem Gerbäu gegeben müsstest :))

    Keep going ::D

    ***Die Doppelbuchstaben sind meinem deffekten Handy verschuldet.

    • Phoetry

      on November 10, 2016 at 8:58 am

      Liebste Sophie :),

      Vielen Dank für deine lieben Worte. Und keine Sorge wegen der Doppelbuchstaben – von Buchstaben kann es nie genug geben. 😀

      Alles Liebe,

      Rafaela

  2. Sophie

    on November 10, 2016 at 5:31 am

    Oh doch nicht :::D
    Hab mich verlesen^^
    HHätte mich auch gewundert, wenn du dich verschrieben hättest ::D

    • Phoetry

      on November 10, 2016 at 8:59 am

      Liebe Sophie,

      Macht nichts, ganz im Gegenteil, ich freue mich, dass du so genau hinschaust!! Wenn man kein eigenes Lektorat im Haus hat, kann fehlerfreies Schreiben ganz schön knifflig sein. 😀 Und bei einem Cocktail vor der Mittagszeit hätte es leicht passieren können, dass ich hier irgendwas durcheinander bringe. 😀

      Ich freu mich auf viele, viele, weitere Kommentare und Feedback!! <3

      Alles Liebe,

      Rafaela

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