Ritter in schillernder Brüstung

Oktober 15, 2016 / 4 — 5min read / No Comments

Hot Spot! Kunst, Kultur und die Abenteuerlust am Leben habe ich hinter den Spiegelfassaden der Stadtbibliothek auf Teneriffa entdeckt.


„Alles, worauf Liebe wartet, ist Gelegenheit.“

Miguel de Cervantes
 

Biblioteca Municipal de Santa Cruz de Tenerife – etwas, das sich so sinnlich ausspricht, muss auch ausgefüllt mit Raum atemraubend ästhetisch aussehen. So weit die These, die ich für meinen Sommerurlaub auf Teneriffa nebst einem Sammelsurium aus Hausrat und –unrat mit im Gepäck hatte, und die dort gemeinsam mit Jean Jacques Rousseus schweratmiger Lektüre für ein paar Kilo Übergewicht sorgte. Auch bei dieser Reise kämpften wie immer viel zu viele Bücher gegen viel zu viele Kleider um viel zu wenig Koffer. Und wie immer sollte sich vor Ort herausstellen dass ich weder das eine, noch das andere wirklich brauchen sollte. Denn während Rousseau sich spätestens nach dem ersten Strandcocktail als geistige Herausforderung neuer Größenordnung entpuppte, erwiesen sich auch die sorgsam ausgewählten Kleidungsstücke als äußerst ungeeignet für Sonne, Strand und Meer. Das einzige Outfit, das nicht in die Kategorie Business Casual gepasst hatte, war der Bikini gewesen – und der wäre selbst für das abendliche Tanzprogramm etwas zu knapp gewesen.

 

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Alternativen mussten her.
Neue Kleider waren unter der spanischen Midsummer Sale Sonne schnell gefunden, doch woher die Lektüre nehmen, wenn einem Fotolovestory und Dr. Sommer vom Kiosk nicht genug sind? Die Antwort fand ich, wie sollte es auch anders sein, in einer Bibliothek – um genau zu sein in der Zentralbibliothek der Stadt Santa Cruz. Die ehrwürdigen Hallen der Literatur sind auf Teneriffa in der Hauptstadt untergebracht, die wir nach längerer Irrfahrt über kanarisches Vulkangestein sogar finden sollten. Google leistete wertvolle Orientierungsdienste, laut dem Onlinelexikon warteten immerhin stolze 100.000 Bücher, 14.000 CDs und DVDs sowie 100 einladende Leseplätzchen auf uns. So ein Prosamonument sollte schwer zu übersehen sein. Die Stadt belehrte uns aber rasch eines Besseren. Einen freiwilligen Ausflug zum Auditorio de Tenerife, einem Architekturmimikry des Atlantiks, sowie einen unfreiwilligen zur Verrichtung der notwendigsten Notdurft, später, fanden wir sie dann aber doch, die Bilbioteca Municipal de Santa Cruz de Tenerife. Die Highlights meines autobiographischen Höhenflugs teile ich hier mit euch:

 

„Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge.“

Miguel de Cervantes

 

    1. Architektur: Die Stadtbibliothek ist im Kunst- und Kulturzentrum Tenerife Espacio de las Artes, kurz TEA, untergebracht. Von außen eher an einen zu groß geratenen Bauklotz erinnernd, sorgt die Innenarchitektur des Gebäudes selbst in den grauesten Zellen für lichte Momente. Das Licht fällt von Glasfassaden in Deckennähe ein, durch die auch neugierige Zuschauer Einblick ins Denkerstübchen erhalten. Die Passanten können aber nicht etwa fliegen, sondern befinden sich mit den Fenstern auf Augenhöhe, wo doch die Bibliothek in der Tiefparterre des Bauwerks platziert wurde. Störende Schatten huschen den Lesenden, Lernenden und denen, die eigentlich gar nicht wissen, warum sie da sind, dennoch nicht über die Seiten. Die Bibliothek ist hell und klar ausgeleuchtet, das Licht tropft in spektralen Strahlen aus den Deckenleuchten. Letztere sind ein moderner Lichtblick für jeden Lampenliebhaber.
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    1. Ausstattung: Für helle Leuchten ist auch die Ausstattung eine Perzeption Wert. Zwischen den tausenden Schriftstücken, Büchern und Papieren hat man auch noch Platz für ein Stück verglaste Geschichte gefunden. Literaturfans kleben spätestens in der Raummitte mit den Sinnesorganen an der Scheibe. Hinter einer Glasvitrine verbergen sich Erstausgaben von keinem geringeren als Traumritter Don Quijote. Miguel de Cervantes, spanischer Nationaldichter und Erfinder des Ritters aus Fantasie und Leidenschaft, wurde mit einer Dauerausstellung im Kleinformat ein sehenswertes Denkmal gesetzt. 

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  1. Aufbruchstimmung: Miguel De Cervantes kämpfte gegen die Türken, Don Quijote gegen Windmühlen und Eva und ich leisteten dem Wachmann erbitterten Widerstand. „No photos here!“, war für uns das Stichwort, als verdeckte Ermittler durch den Sala General zu schleichen und den Hüter der Bücher auf nur jede denkwürdige Art und Weise zu überlisten. So war für uns schließlich auch noch 400 Jahre nach Cervantes ein Hauch von Rittertum zu spüren. Und nach den Abenteuern, die wir beim Verirren, Whalewatching und Schluchtenwandern auf der Insel schon erlebt hatten, fühlten auch wir uns in unserem Glauben bestärkt: Der Mut eine Entscheidung zu treffen ist oft größer als die Entscheidung selbst. 

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„Die Entfernung vom Sagen zum Tun ist groß.“

Miguel de Cervantes

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