Völlig verplant

Oktober 10, 2016 / 3 — 4min read / No Comments

Die einzige Norm, an die sich der Paulo Coelho Kalender fürs ganze Jahr hält, ist das Taschenbuchformat – und nicht mal da bin ich mir sicher. Wer sucht, aber nicht finden will, wird hier auf Umwegen trotzdem fündig.

Manche verwenden ihn als Organizer, andere als Tagebuch und den Strategen unter uns erwächst er mitunter zum regelrechten Strukturmodell: der Kalender. Für Verplante wie mich muss ein Kalender aber mehr sein als nur ein Memorandum, im Idealfall ist er ein regelrechter Wegweiser. Und ein Hauch Poesie kann natürlich auch nie schaden.

„Es tut gut, im Herbst von Blumen zu sprechen. Das gibt uns Hoffnung auf den Frühling.“

Paulo Coelho

 

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Aus diesem Grund lasse ich mich auch von keinem Geringeren als Paulo Coelho von Jahr zu Jahr leiten. Der Beststellerautor und spirituelle Lehrmeister ist auch mein persönlicher Guide durchs Leben. Im Jahr 2016 hat der Diogenes Verlag nicht nur sinnspendende Zitate, sondern auch kleine Kunstwerke von Catalina Estrada zum Thema „Mut“ in den Paulo Coelho Kalender gedruckt. Chaoten, Konfuse und Generalverwirrte blättern sich über eine beträchtliche Blattdimension von 264 Seiten zumindest einer Chance auf Struktur entgegen. Ein geregeltes Dasein fristen Coelho Fans aber dennoch nicht. Der Kalender ist nichts für Gleichtönigkeit oder ein Leben nach Norm. Die volle Packung Coelho stiftet viel mehr zu Unregelmäßigkeit als Mäßigeit an. Nicht selten verleitet der Wortlaut des Lehrmeisters zu sinnvollem Leichtsinn:

 

„Und statt Sicherheit und Bequemlichkeit vorzugaukeln, lehrt ihn der Weg, Herausforderungen anzunehmen.“

Paulo Coelho

 

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Besonders gut gefallen die wechselnden Monatscredos, ein Leitmotiv, von dem sich auch die Philosophie des Phoetry Blogs inspirieren ließ. 2016 standen Vertrauen, Risiko, Hingabe, Veränderungen, Verhalten, Beharrlichkeit, Begeisterung, Freiheit, Toleranz, Risikofreude, Geduld und nicht zuletzt Entschlossenheit am Jahresprogramm. Wie für mich geschrieben. Nicht selten passen die tollkühnen Kommentare und aberwitzigen Anleitungen auch in meine Lebensausschnitte. Noch seltener nehme ich sie mir nicht zu Herzen, denn bisher haben sich mir immerzu neue Türen geöffnet, wenn ich nur den Mut dazu aufgebracht habe, sie aufzustoßen. So habe ich im Vorjahr mit der Alchimie des Lebens experimentiert, in diesem Jahr nach der Mutmaxime gelebt und nächstes Jahr, wenn das Thema „Freundschaft“ lautet, werde ich die Elastizität engster Verbundenheit bis zum Zenit ausdehnen – und herausfinden, wer der Anspannung standhält, wenn es sogar mich schon innerlich zerreißt.

 

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Darüber hinaus stimmt der Paulo Coelho Kalender auch meiner Inspiration die Saiten.
Freiräume für Tagesplanung und Randnotizen des Lebens habe ich nicht nur einmal mit den Noten zu einer Herzkantate befüllt. Gedichte, Lyrik, oder einfach nur purer Gedankenausguss – Paulo Coelho regt Seite für Seite dazu an, seine Denkkonturen mit den eigenen auszumalen:

Und damit das kreative Chaos nicht ganz ausartet, und Mut zum Übermut mutiert, hat der Diogenes Verlag auch noch ein nachsichtiges Blatt für Angaben zur eigenen Person, wie Name, Adresse oder Ansprechpartner für den Notfall, eingefügt. Sicher ist sicher, selbst für die „Krieger des Lichts“ unter uns.

Resümee: Ein Kalender, der nicht nur das Jahr, sondern das ganze Leben mit- und sogar umgestaltet. Empfehlenswert für Querdenker, Sinnpioniere und Ausbrecher. Strukturverliebte halten sich dann wohl doch lieber an den gewöhnlichen Filofax.

 

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